Versicherungen

Berufsunfähigkeitsversicherung: Für wen sie sinnvoll ist

Handwerkerin in der Werkstatt legt eine Pause ein und denkt über die Absicherung ihrer Arbeitskraft nach

Die meisten Menschen versichern selbstverständlich ihr Auto und ihren Hausrat – die eigene Arbeitskraft dagegen selten. Dabei entsteht aus ihr über ein Berufsleben hinweg ein Einkommen von mehreren hunderttausend Euro. Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem an einer Frage: Wovon würden Sie leben, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssten?

Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet

Berufsunfähig ist nach der üblichen Vertragsdefinition, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Tritt dieser Fall ein, zahlt der Versicherer eine vorher vereinbarte monatliche Rente – die BU-Rente – bis zum Ende der Vertragslaufzeit oder bis die Berufsunfähigkeit endet.

Entscheidend ist dabei der Bezug auf den konkret ausgeübten Beruf. Eine Chirurgin, deren Hand nach einem Unfall zittert, ist berufsunfähig, auch wenn sie noch Vorlesungen halten könnte. Genau dieser Punkt macht den Unterschied zu staatlichen Leistungen aus – und deshalb ist die Vertragsklausel zum Verweis auf andere Tätigkeiten so wichtig (dazu unten mehr).

Warum die gesetzliche Absicherung nicht ausreicht

Viele gehen davon aus, im Ernstfall vom Staat aufgefangen zu werden. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift allerdings nach einem völlig anderen Maßstab: Sie fragt nicht nach Ihrem Beruf, sondern danach, wie lange Sie irgendeiner Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch nachgehen können.

Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es erst bei weniger als drei Stunden täglicher Leistungsfähigkeit, eine halbe Rente bei drei bis unter sechs Stunden. Wer noch sechs Stunden am Tag arbeiten kann – wenn auch in einem ganz anderen Job –, erhält gar nichts. Und selbst die volle Erwerbsminderungsrente fällt in der Praxis deutlich niedriger aus als das vorherige Nettoeinkommen. Für alle, die 1961 oder später geboren sind, existiert die frühere gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente ohnehin nicht mehr.

„Die gesetzliche Rente fragt, ob Sie noch irgendetwas arbeiten können. Die BU-Versicherung fragt, ob Sie noch Ihren Beruf ausüben können."
Gegenüberstellung von privater Berufsunfähigkeitsversicherung und gesetzlicher Erwerbsminderungsrente Die private BU-Versicherung zahlt, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zahlt erst, wenn Sie irgendeiner Tätigkeit weniger als sechs Stunden täglich nachgehen können. Wer 1961 oder später geboren ist, bekommt keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Zwei völlig verschiedene Maßstäbe PrivateBU-Versicherung Zahlt, wenn Sie Ihrenzuletzt ausgeübten Berufzu mindestens 50 % nichtmehr ausüben können. GesetzlicheErwerbsminderungsrente Zahlt erst, wenn Sieirgendeiner Tätigkeitweniger als 6 Stundentäglich nachgehen können. Wer 1961 oder später geboren ist,bekommt keine gesetzliche BU-Rente.
Zwei völlig unterschiedliche Maßstäbe: Die BU-Versicherung stellt auf den zuletzt ausgeübten Beruf ab, die gesetzliche Rente auf jede beliebige Tätigkeit.

Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Sinnvoll ist der Schutz grundsätzlich für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind und keine Vermögenswerte haben, von denen sie jahrzehntelang leben könnten. Besonders deutlich ist der Bedarf in diesen Situationen:

Weniger dringlich ist der Schutz, wenn Sie kurz vor dem Ruhestand stehen, über ein ausreichendes Vermögen verfügen oder als Beamter über die Dienstunfähigkeitsklausel abgesichert sind – für Beamte gibt es spezielle BU-Tarife mit genau dieser Klausel.

Wie hoch sollte die BU-Rente ausfallen?

Die Rente soll Ihre laufenden Kosten decken, wenn das Gehalt entfällt. Als grobe Orientierung nennen Verbraucherschützer häufig 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens. Besser ist es, konkret zu rechnen: Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Lebenshaltung, Versicherungen – und daran denken, dass Sie als BU-Rentner Ihre Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge weiterzahlen müssen.

Ein zweiter Punkt wird oft vergessen: die Inflation. Eine heute vereinbarte Rente von 1.500 Euro hat in zwanzig Jahren spürbar weniger Kaufkraft. Eine vereinbarte jährliche Steigerung – die Rentendynamik – gleicht das zumindest teilweise aus und sollte im Vertrag stehen.

Diese Vertragsklauseln entscheiden über die Leistung

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das Kleingedruckte wichtiger als der letzte Euro Beitragsunterschied. Auf diese Punkte kommt es an:

Gesundheitsfragen: der heikelste Teil des Antrags

Vor dem Abschluss steht eine Gesundheitsprüfung. Wer hier eine Vorerkrankung verschweigt – auch versehentlich –, riskiert, dass der Versicherer im Leistungsfall wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht nicht zahlt. Fragen Sie im Zweifel Ihre Krankenkasse nach den in den vergangenen Jahren gespeicherten Diagnosen und beantworten Sie alles vollständig.

Bestehen bereits Vorerkrankungen, muss das kein Ausschlusskriterium sein. Möglich sind ein Beitragszuschlag oder ein Leistungsausschluss für bestimmte Erkrankungen. Eine anonyme Risikovoranfrage über einen Makler zeigt die Einschätzung mehrerer Versicherer, ohne dass eine Ablehnung aktenkundig wird.

Welche Alternativen gibt es?

Wenn eine BU-Versicherung wegen des Berufs oder des Gesundheitszustands zu teuer oder nicht erhältlich ist, kommen abgespeckte Varianten infrage: eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine schwere-Krankheiten-Vorsorge. Alle drei setzen jedoch enger an und leisten seltener – sie sind ein Kompromiss, kein gleichwertiger Ersatz.

Eine reine Unfallversicherung ist dagegen kein Ersatz: Die weitaus meisten Fälle von Berufsunfähigkeit gehen nicht auf Unfälle zurück, sondern auf Erkrankungen. Wer noch ganz am Anfang steht und überlegt, welche Policen wirklich nötig sind, findet eine Einordnung im Ratgeber Welche Versicherungen braucht ein Student?.

Fazit: sinnvoll für fast alle, die von ihrer Arbeit leben

Für die allermeisten Berufstätigen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll, weil die gesetzliche Absicherung nach einem völlig anderen Maßstab greift und im Ernstfall kaum zum Leben reicht. Wichtiger als ein möglichst niedriger Beitrag sind ein Verzicht auf abstrakte Verweisung, eine ausreichend hohe Rente und eine Laufzeit bis zum Renteneintritt. Weil Beiträge und Bedingungen je nach Beruf und Anbieter weit auseinanderliegen, lohnt sich ein Vergleich hier besonders – und je früher Sie ihn machen, desto günstiger fällt das Ergebnis aus.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Versicherungs- oder Anlageberatung dar.

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